Gute Narrative, schlechte Narrative: Wollt ihr es wissen oder wollt ihr nicht?
Im Jahre 2024 gibt es Nachrichten im Überfluß. Es ist direkt märchenhaft. Vorbei die Zeiten, als man seine Tageszeitung und das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit drei Programmen hatte. Heute befinden wir uns im Zeitalter der Katastrophen-Kakophonie auf dem Schlachtfeld der Narrative. Mein Narrativ, dein Narrativ. Noch nie war das Gelaber so nutzlos wie heute.
Man muß sich bei der Themenauswahl beschränken, sonst könnte man keine Artikel mehr schreiben sondern nur noch ganz dicke Wälzer. Man kann zum Beispiel über den Einsturz der Francis-Scott-Key-Brücke in Baltimore schreiben und sich darauf beschränken. Mit dem Terroranschlag in der Crocus-Music-Hall von Krasnogorsk ist es so, dem 7. Oktober in Israel, der Nordstream-Sprengung, dem Massaker von Butscha und so weiter. In Wangen im Allgäu wurde ein vierjähriges Mädchen von einem Syrer mit dem Messer schwer verletzt. In einem Supermarkt am hellichten Tag. Das war vorgestern Meldung und ist heute schon wieder Schnee von gestern. Wer redet noch vom Mord am achtjährigen Leo Stettin im Frankfurter Hauptbahnhof? Das ist bald schon wieder fünf Jahre her – und es gibt eine direkte Linie zwischen damals und dem Verbrechen in Wangen.
Das Haltbarkeitsdatum von Nachrichten ist kürzer als das von Frischkäse. Sie werden schnell konsumiert und der Nachschub läuft wie geschmiert. Die jeweils daran Interessierten versuchen, die Punkte miteinander zu verknüpfen, machen sich dann ein größeres Bild – und wenn es Nachrichten gibt, die nicht in dieses Bild passen, dann werden sie ignoriert oder umgedeutet. Was soll man auch machen, wenn man nicht dem Wahnsinn anheim fallen will? Es gibt eine Sehnsucht danach, sich die Welt so zu erklären, daß man in ihr zurechtkommt. Sollte man einen dicken Wälzer schreiben? – Ich weiß es nicht. Es gibt eindrucksvolle Bibliotheken rund um den Globus mit zigtausenden von Büchern. Es wurde schon viel gedacht und niedergeschrieben. Und trotzdem befinden wir uns im Zeitalter der Katastrophen-Kakophonie auf dem Schlachtfeld der konkurrierenden Narrative. Es wird auch behauptet, wir befänden uns bereits in der Anfangsphase eines unvermeidlichen Dritten Weltkrieges. Nach dessen Ende würde sich für die Überlebenden unweigerlich die Frage stellen, ob die Überzeugung von der Möglichkeit eines kollektiven Erkenntnisgewinns vor dem Krieg doch nichts anderes gewesen wäre als ein fataler Irrglaube. Man muß sich ja nur überlegen, wieviele Bibliotheken in einem solchen Krieg vernichtet werden würden.
Ein weiterer Artikel
Der Einsturz der „Key-Bridge“ in Baltimore (vgl. „Salvador Putin & Baltimore: Die Brücke der Träume“) war eine Nachricht, die seit bald zwei Wochen laufend hätte aktualisiert werden können. Allerdings ist dieser Einsturz schon wieder Schnee von gestern. Die renommierte Investigativjournalistin Lara Logan berichtete hier, daß die Reederei der „Dali“ jede Verantwortung für das Unglück ablehne. Die Reederei selbst und keiner ihrer Angestellten habe es in der Macht gehabt, das Unglück zu verhindern. Es handele sich um eine Cyberattacke auf die Bordelektronik der „Dali“, gegen die man machtlos gewesen sei. Das Interessante ist, daß die Reederei dieses Statement nicht den Medien gegenüber abgab, sondern bei Gericht dokumentieren ließ. Die Reederei macht unmißverständlich klar: Es trifft uns keine Schuld. Nicht die geringste. Kein „vielleicht“ und kein „möglicherweise“, sondern klipp und klar der Justiz gegenüber: „Wir waren das nicht“. Diese Vorgehensweise ist sehr ungewöhnlich. Aber wie gesagt: Das mediale Interesse an diesem Brückeneinsturz ist bereits abgeflaut, obwohl dieser Einsturz geeignet wäre, das Thema „Cyberwarfare“ gerade im Zusammenhang mit dem Dritten Weltkrieg und der Rolle der Medien in einer sogenannten „Informationsgesellschaft“ zu stellen. Des lieben Erkenntnisgewinns für souveräne Demokraten wegen. Das Haltbarkeitsdatum von Nachrichten ist eben kürzer als das von Frischkäse.
Kampf um das Narrativ
Der israelische Drohnenangriff auf einen Fahrzeugkonvoy der „World Central Kitchen“ (WCK) in Gaza, bei dem sieben Mitarbeiter der amerikanischen Hilfsorganisation ermordet wurden, hat erstaunliche Konsequenzen der narrativstörenden Art. Das Narrativ lautet schließlich, Israel befinde sich im Krieg gegen die Hamas – und dafür, daß dem so ist, sei der 7. Oktober 2023 die alleinige Ursache. Womit dann auch die Schuldfrage für diesen Krieg letztgültig geklärt sei. Das ist ein Narrativ für die besonders präferenzutilitaristischen Leichtgläubigen, die lieber nicht wissen wollen, was wirklich los ist, da die Erkenntnis geeignet sein könnte, ein liebgewordenes Weltbild revidieren zu müssen – und zwar aufgrund der weiterführenden Fragen, die sich danach zwangsläufig stellen müssten. Da machen es die lieben Israelfreunde, die sich auf der „Seite des Guten“ wähnen, lieber wie die berühmten drei Affen: Nichts hören, nichts sehen und nichts sagen. Sie halten sich aber trotzdem gern für besonders „kritische Geister“. Dabei ist der Angriff auf den Hilfskonvoy ein Prachtindiz dafür, daß sie mitnichten auf der „Seite des Guten“ stehen, sondern auf der gegenüberliegenden Seite eines „schlechten Narrativs“, das deswegen schlecht ist, weil es von altgewohnten Feinden des eigenen Lagers – vornehmlich den Linken – vertreten wird.
Das „schlechte Narrativ“: Die Palästinenser werden seit eh und je von den Israelis unterdrückt und schikaniert. Der Zionismus ist ein kolonialistischer Anachronismus. Ein „schlechtes Narrativ“ ist dieses linke Narrativ ja auch, weil die Palästinenser schließlich mehrheitlich Muslime sind. Und was die Muslime wiederum für welche sind, weiß man schließlich aus der Anschauung im eigenen Land. Da kann man sich einfach nicht leisten, über palästinensiche Kinder, Frauen, Alte und Kranke nachzudenken. Muß man ja auch nicht, weil: 7. Oktober. Na, Gottseidank.

Ermordete WCK-Mitarbeiter – Screenshot WCK
Und dann passiert diese Geschichte mit dem „World Center Kitchen“-Konvoy. Das ist eine Hilfsorganisation aus den USA, die dem State Department nahesteht und deren Chef ein persönlicher Freund von US-Außenminister Blinken ist. Seine Name ist José Andrés. Ex-CIA-Analyst Larry Johnson und Andrés sind Mitglieder im selben Golfklub – und Johnson hat ein wenig geplaudert über das „WCK“. Das ist keine humanitäre Non-Profit-Organisation, sondern eine humanitäre Profitorganisation, die großzügig aus Steuermitteln finanziert wird und gute Gewinne macht.
Die Route, auf der dieser Konvoy angegriffen wurde, war vorher mit der IDF abgesprochen worden – und die IDF hatte grünes Licht gegeben. Die selbstexkulpatorische Behauptung der IDF nach dem Angriff, der Konvoy habe unterwegs angehalten, um einen Hamaskämpfer mitzunehmen, war nachweislich falsch. Die Wellen innerhalb der Biden-Regierung schlugen hoch. Die britische BBC meldete vor einigen Tagen, daß die Verantwortlichen für diesen Angriff gefeuert worden seien, eben weil der Angriff kein Versehen, sondern volle Absicht gewesen sei. Und das ist schon wieder nur ein Narrativ. Inzwischen steht die Behauptung im Raum, künstliche Intelligenz sei für den Angriff verantwortlich gewesen – und damit steht auch der Versuch im Raum, Verantwortung vom Menschen auf die Technologie zu verlagern. Die KI als „Sündenbock“, sozusagen.
Der Angriff auf den US-Hilfskonvoy führte aus ganz anderen Gründen zur Entlassung der IDF-Verantwortlichen. Erstens widerlegte er den flachen Schnack vom „irrtümlichen Angriff“, weil das nicht ein Angriff, sondern drei Angriffe über eine Strecke von 1,5 bis 1,8 Kilometern auf einer mit der IDF abgesprochenen und genehmigten Route gewesen waren. Zweitens widerlegten diese drei fahrlässig und gezielt geführten Angriffe auf den WCK-Konvoy den medienwirksamen Verteidigungsschnack vom „Kampf gegen die Hamas“ und den furchtbar bedauerlichen, aber nicht zu vermeidenden „Kollateralschäden“ unter der palästinensischen Zivilbevölkerung – und drittens führten diese drei Angriffe zu einem schlagartigen Unterstützungsverlust der Amerikaner für „die israelische Sache“. Es kann sich auch keiner der Verantwortlichen dadurch einen schlanken Fuß machen, daß er behauptet, KI habe sich den WCK-Konvoy als Angriffsziel ausgesucht. Die Biden-Regierung, respektive die US-Demokraten haben aber keine Lust, sich die Wahl 2024 außer von Trump auch noch von Netanyahu verderben zu lassen. Deshalb viertens: Die drei Angriffe zwangen Biden nun dazu, dem Einfluß des AIPAC auf die US-Medien und die US-Politikerkaste zum Trotz, Netanyahu klarzumachen, daß er so wie bisher nicht weitermachen kann und daß er ernsthaft mit der amerikanischen „no matter what“-Unterstützung spielt. Die israelische Regierung setzt aber auf die bedingungslose Unterstützung durch die USA. Die ist ein wesentlicher Pfeiler des israelischen Gesamtkalküls. Deswegen wurden die IDF-Veantwortlichen für den Angriff auf den WCK-Konvoy gefeuert, nicht wegen der Absicht als solcher. Die Absicht wäre schon ok gewesen. Nur auffliegen hätte sie nicht dürfen.

Aktuelle Gallup-Umfrage zur US-Unterstützung für Israel – Screenshot Facebook
Und noch ein fünfter Punkt: Der israelische Angriff auf den WCK-Konvoy befeuerte zur Unzeit wieder die US-notorische Rassismusdebatte mit ihren von Linken dominierten Narrativen – und kein Rechter kann die Augen vor dem folgenden, wahren Sachverhalt verschließen, ohne sich selbst lächerlich zu machen. Als die Israelis 30.000 Palästinenser meuchelten, die in den USA – rassistisch fein ausdifferenziert – als „brown people“ bezeichnet werden, änderte das an der Zustimmung der Amerikaner für das israelische Vorgehen nur sehr zögerlich etwas. Als aber sechs Weiße und ein „browner“ Fahrer des WCK gekillt wurden, schnellte die Empörung hoch – und die Sympathiewerte für die Israelis sackten schlagartig in den Keller. Damit wird es sehr schwierig, die Behauptung aufrecht zu erhalten, das US-israelische Vorgehen im Gazastreifen enthalte keine rassistische Komponente. Das ist ganz schlecht für das „rechte Narrativ“ von den Israelis als den Generalopfern der „brownen people“. Das braucht im Wahlkampf 2024 nun wirklich kein Mensch. Der „rechte Trump“ las außerdem erst kürzlich zwei völlig verblüfften Reportern aus Israel in einem Interview die Leviten. Die beiden waren regelrecht geschockt, daß ihre Erwartungshaltung dem offenbar „unberechenbaren“ Trump gegenüber so enttäuscht worden war. Trump sinngemäß: „Paßt bloß auf, Freunde. Ihr isoliert euch international immer weiter.“ Und das von Trump, der in seiner Amtszeit die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen ließ? Den Israelis dämmert allmählich, auf welchen suizidalen Kurs sie sich von Netanyahu und seiner Bande haben führen lassen. Und den US-Demokraten dämmert allmählich, wie verhängnisvoll es für sie selbst sein wird, wenn sie diesen Kurs weiter mitgehen.
Die Erstfassung dieses Artikels ist inzwischen über eine Woche alt und es ist viel dazugekommen in dieser Zeit. Es gab den israelischen Angriff auf das iranische Konsulat in Damaskus, eine völkerrechtswidrige Ungeheuerlichkeit, die noch nicht einmal im Zweiten Weltkrieg vorgekommen ist – und es gab inzwischen den iranischen „Gegenschlag“, der freilich mehr ein „Schuß vor den Bug“ gewesen ist. Gezielt war er auf die Negevwüste, wo kaum jemand wohnt – und getroffen wurde dort lediglich jener israelische Militärstützpunkt, von dem aus der Angriff auf das Konsulat in Damaskus gestartet worden war. Zugleich erging via Schweiz eine Warnung an die USA, sich herauszuhalten, da die Iraner ansonsten die US-Stützpunkte im Irak ins Visier nehmen würden. Es ist mehr als fraglich, ob es Netanyahu gelingen wird, die für ihn höchstpersönlich notwendige Eskalation im Nahen Osten mit Hilfe der USA zu verwirklichen. Die USA haben nämlich noch ganz andere Baustellen, gerade in der Ukraine. Da sieht es gerade ganz schlecht aus für den „Wertewesten“ und die Nato. So schlecht, daß Wladimir Putin inzwischen die bedingungslose Kapitulation als Voraussetzung dafür fordern konnte, überhaupt noch in Verhandlungen einzutreten.
Linke Narrative, rechte Narrative
Daß die veröffentlichte Meinung (noch) von linken Narrativen dominiert wird, läßt sich schwerlich bestreiten. Dabei ist das Problem gar nicht, daß es linke Narrative – mit Betonung auf „linke“ – sind, sondern das Problem ist, daß es bloße Narrative sind. Narrative folgen einer Agenda. Man gewinnt aber nicht gegen die Linken, wenn man sich darauf beschränkt, ihren Narrativen eigene, genauso realitätswidrige Narrative entgegenzustellen. Weil die letztlich auch nichts anderes als Narrative an der Realität vorbei wären. Die Narrative müssen weg! Die Wahrheit muß raus! Und wenn die im Detail einmal nicht ausgesprochen „rechts“ ist, weil auch ein linkes Huhn einmal ein Korn finden kann, dann ist ein agendagetriebenes „rechtes Narrativ“ – wie das vom unschuldigen israelischen Abonnementsopfer – kein Stück weniger für’n Arsch als ein linkes.
Was soll dieses lügenhafte Gejammer? Die rechte Betroffenheits-Linkskopie: „Ganz furchtbar war es damals für mich am 7. Oktober. Alle diese toten Menschen. Diese grausamen Morde. 1.200 unschuldige Israelis von der Hamas bestialisch dahingeschlachtet.“ – ja, schon. „Bestialisch dahingeschlachtet“ stimmt ja. Nur ist das nicht das erste bestialische Dahinschlachten gewesen – und exclusiv im Nahen Osten passiert so etwas auch nicht. Es gäbe historische Beispiele en masse. Und ein Grund, etwas von 1.200 durch die Hamas abgeschlachteter Israelis daherzulügen ist es ebenfalls nicht. Es waren etwa 600 – und die anderen 600 haben die Israelis in ihrer Verteidgungsnot selber abgeschlachtet. Jedes „rechte Narrativ“ von den geköpften Babies und den systematisch vergewaltigten Frauen ist eben nichts weiter als das: Ein utilitaristisches Narrativ. Selbst die New York Times, wahrlich unverdächtig, hat die entsprechenden Stories wieder einkassiert. Und das haben sie nicht getan, damit eine alternative „Rechts“-Publikation in Deutschland ungerührt so tut, als seien diese Horrorgeschichten nicht schon längst als israelischer Propaganda-Fake enttarnt worden. Joe Biden hat nie Fotos von enthaupteten Babies gesehen. Es gab keine 40 enthaupteten Babies. Was es allerdings gab, war ein britisches Rechercheteam vor Ort, das den Chef der israelischen ZAKA als Lügner überführte und feststellte, daß die Leichen von etwa 200 der getöteten Terroristen post mortem von wütenden israelischen Zivilisten verstümmelt worden waren. Aber die Palästinenser wären als einzige „die Tiere“?
Außerdem: dieses präferenzutilitaristische, rechte „Geiselgejammere“ ist angesichts einer israelischen Hannibal-Direktive und angesichts tausender Palästinenser, die in israelischen Gefängnissen seit Jahren ohne Anklage und Prozess verrotten, nichts als die reine Heuchelei. Die israelischen Geiseln in der Hand der Hamas waren gedacht als „Tauschmaterial“. Wie verpeilt muß man sein, zu glauben, daß die Hamas sich auf ein Junktim „Waffenstillstand gegen Geiselfreilassung“ einlassen würde? Da hätte sie den Terroranschlag vom 7. Oktober mit dem „Teilziel Geiselnahme“ auch gleich bleiben lassen können. So ein Junktim kann doch überhaupt bloß einer konstruieren, der selbst keinen Waffenstillstand will – und die Verantwortung dafür der Gegenseite rüberschiebt. Das ist nicht links oder rechts – sondern das ist Logik.
Die Verknüpfung der Punkte
Keine Aufklärung der Öffentlichkeit über die Hintergründe des Brückeneinsturzes von Baltimore, totales Desinteresse an der Aufklärung und strafrechtlichen Ahndung der Nordstream-Sprengung, lauwarmes Lavieren in der Postcoronasache, Verleumdung der Russen in Sachen Ukrainekrieg in Kombination mit medialer Desinfomation für die eigenen Leute, Desinteresse an der lückenlosen Aufklärung des totalen israelischen Sicherheitsversagens am 7. Oktober 2023, Desinteresse am ukrainischen Mitwirken beim Terroranschlag von Krasnogorsk – dafür aber Narrative, Narrative, Narrative. Das ist wirklich bemerkenswert.
Die Verbreiter „rechter Narrative“ haben zwar kein Problem mit der Vermutung, daß die „wertewestlichen“ Regierungsdarsteller allesamt bloß Puppen an den Fäden globalistischer Marionettenspieler sein könnten. Aber bei der Hamas hat es gefälligst so zu sein: Deren Führung vertritt ganz unbedingt und auf jeden Fall die „Interessen der Palästinenser“. Und weil das gefälligst so zu sein hat, damit es zum eigenen Narrativ paßt, verbietet sich jede Fragestellung danach, woher die Milliardenvermögen der drei obersten Hamasführer stammen, weshalb ein ägyptischer Bauunternehmer und Freund des dortigen Präsidentensohnes bereits 2021 den Generalauftrag zum Wiederaufbau des Gazstreifens erhalten hat; wieso eine israelische Zeitung damals titelte, davon hätten sowohl Ägypten und Israel als auch die Hamas etwas; weshalb Netanyahu noch 2019 für die finanzkräftige Unterstützung der Hamas geworben hatte (Netanyahu: Verhinderung (!) eines Palästinenserstaates); weshalb sich der damalige Chef des Militärgeheimdienstes, Amos Yaldrin, 2007 über den Sieg der Hamas bei den Wahlen im Gazastreifen freute – und ob es sich bei den Terroristen vom 7. Oktober vielleicht um aufgepeitschte, zielgerichtet fanatisierte, womöglich mit Aufputschmitteln vollgepumpte, durchindoktrinierte Vollidioten gehandelt haben könnte, die sich im Interesse von wem auch immer haben verkaufen und „verbrauchen“ lassen.
Die Hamas: Wos a brillante Interessensvertretung, sapperlott! Über 30.000 gemeuchelte Palästinenser, zwei Drittel davon Frauen und Kinder. 70.000 Kriegsbeschädigte, Waisen, Amputierte und Verhungernde so weit das Auge reicht. Die haben schon merkwürdige Interessen, die „brownen people“ im Nahen Osten, diese „Palästinenser“ da. Und es gibt ja auch gar keine Palästinenser, gell? Obwohl es anerkanntermaßen einen palästinensischen Staat ohne Land gibt, der einen Beobachterstatus bei den UN innehat. Was muß das alles das „rechte Narrativ“ stören? – Üüüüberhaupt nicht. Und weil das so ist, müssen auch die linken Narrative bekämpft werden. Man ist schließlich Opposition. Ja, schon. Aber meinereiner fragt sich allmählich ernsthaft: Wogegen eigentlich? Sollen die alten Lügen durch bessere Lügen ersetzt werden? Weil gilt, „Lüge rules“, oder was?
Egal, wo ich zum Thema Israel lese in „Gerade-wir-als-Deutsche“- Deutschland: Tichys Einblick, Achse des Guten, Reichelt, NIUS – you name it: Überall der glasklar erkennbare Wille, agendagetriebene „Narrative von rechts“ zu verbreiten. Wahrheit nur dann, wenn es zur eigenen Agenda und den eigenen Vorlieben paßt. Wenn nicht, dann Kopierung der sattsam bekannten Linksmedien-Methoden. Da ist dann auf einmal der Völkermord kein Völkermord mehr und das Kriegsverbrechen wird diskutabel. Der Israelkritiker wird gewissenlos zum Antidingsbumsiten erklärt und hemmungslos diffamiert. Wer braucht so eine – Entschuldigung – „dämliche Scheiße von rechts“? Ich nicht. Meinereiner zieht da ganz andere Schlüsse. Wenn es „die Rechten“ nicht prinzipiell anders halten wollen mit Realität und Wahrheit als die sattsam dafür von ihnen kritisierten Linken, und wenn sie selber anfangen, die Realität zu sortieren nach „Gefällt mir“ und „Gefällt mir nicht“; wenn sie also, wie die Linken, die Demokratie verwechseln mit einer unterhaltsamen Folge von „Wünsch dir was“ und den rechten Medienbetrieb mit Politentertainment, um sich dabei zu allem Überfluß noch einzureden, das zerstöre ihre eigene Glaubwürdigkeit nicht sehr grundsätzlich, dann frage ich mich: „Wo ist das Hirn?“. Kann es wahr sein, daß man Hirn tatsächlich bloß beim Metzger einkaufen kann? Wie vernagelt muß man sein, sich an die Seite von Leuten zu stellen, die sich, wie Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich, selbst als Faschisten bezeichnen? Wollen die „Rechten“ der „Antifa“ vielleicht auch noch ein Spendenmilliönchen überweisen? Warum denn nicht? Und warum ist es kein Thema für die „Rechten“, daß vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Zionisten auch im Judenreferat des Reichssicherheitshauptamtes zu finden waren – und zwar in Gestalt von Leopold von Mildenstein und dessen „Schüler“ Adolf Eichmann, dem späteren Organisator der „Endlösung“, der sogar Hebräisch gelernt hatte?

Seltene Münze: „Zionistische Grüße aus dem Judenreferat im Reichssicherheitshauptamt! gez. von Mildenstein / Eichmann“ – Screenshot Wikipedia
Ich behaupte: Völkermord ist Völkermord und Kriegsverbrechen sind Kriegsverbrechen. Wie „meinen & finden“ die Oppositionellen gegen links? – Ich höre! Höre ich schon was!? Wie bitte? Völkermord ist kein Völkermord, weil es darauf ankommt, wer einen begeht? Kriegsverbrechen sind keine Kriegsverbrechen, weil es darauf ankommt, wer welche begeht? Das ist alles nicht so einfach? Da muß man relativieren und differenzieren und pi-pa-po, anstatt einfach die Texte der Völkermordkonvention und der Genfer Konvention zu lesen und zu verstehen? Ja, dann geht doch zu den Linken mit euren „rechten Narrativen“! Die können solche Typen gebrauchen. „Die Wahrheit von rechts“ – da lachen ja die Hühner. Es ist schon seltsam: „Rechte“ müssen bedingungslos „mit Israel ständen“, weil Israel, ein Außenposten der „Westwertwelt“ im Nahen Osten, einen Krieg gegen den „politischen Islam“ führt, der uns Deutschen noch bevorsteht? – Japan: 125 Millionen Einwohner, 70.000 Muslime, 90 Prozent davon Ausländer – und nicht eine einzige Halal-Zertifizierungsstelle. Und das ganz ohne Israel.
Ach ja, eine Frage hätte ich noch wegen des untenstehenden Screenshots. Rechte „Withisraelständer“ sind schlau, überaus honorig und kennen garantiert die richtige Antwort.

Religiöser Extremist? – Screenshot Facebook
Was das Problem mit den Islamisten und dem Islamismus betrifft, wären wir uns ja einig. Dennoch: einmal von der spezifischen Ausrichtung abgesehen – was wäre hier der prinzipielle oder denksystematische Unterschied zu einem Islamisten? Helft mir, ich komme gerade nicht drauf. Danke.



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