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Niederlande: Es sprach der Antisemit

Nach dem jüngsten Bombardement des Al-Shifa-Krankenhauses in Gaza-Stadt erhielt im niederländischen Fernsehen ein fürchterlicher „Antisemit“ Gelegenheit zur gräßlichen Haßrede. Daß so etwas überhaupt noch im Fernsehen gezeigt werden darf, ist schon ein Skandal für sich. Darf man liebgewonnene Gewißheiten über die Auserwählten im gelobten Land einfach so in den Dreck ziehen? Wo kämen wir denn hin, wenn jeder … bla-bla.

„Antisemitischer“ Redner im niederländischen Fernsehen – Screenshot Facebook

Die Übersetzung der antisemitischen Rede

„Alle die Geiseln, alle die Verstorbenen aus Israel und Europa haben einen Namen bekommen. Ihre Verwandte und Freunde waren im Fernsehen und in den Zeitungen zu hören. Ihre Leben, ihre Träume und Ideale sind uns für immer geläufig. Ich glaube, das ist gerecht. Aber ich habe eine Frage. Haben palästinensische Leben denselben Wert für uns? Kennen wir die Namen ihrer toten Babies, ihrer gedemütigten Großeltern und ermordeten Kinder? Kennen wir ihre persönlichen Träume, Freunde und Schulzeugnisse? Palästinensische Leben werden üblicherweise in Statistiken erfasst.: 48 Tote, 1.200 Verletzte. Keine Namen, sondern Zahlen. Das zeigt, wie wir unser Mitgefühl verteilen. Auch Palästinenser verbrennen bei lebendigem Leib. Auch palästinensische Dörfer haben Pogrome erfahren, durchgeführt von Israelis. Palästinensische Kinder wurden gefoltert, ohne Anklage und ohne Hilfe für Jahre eingesperrt. Das passierte Generation für Generation seit mehr als 75 Jahren. Es könnte genau das der Grund dafür sein, daß wir immun geworden sind. Für uns sind sie kein Volk, sondern das akkumulierte Leiden. Hört das niemals auf? Für mich ist das Familie. Ich rede auch von einer blinden Unterstützung für ein Apartheids-System und seine ethnischen Säuberungen, das offen zutage liegt. Premierminister Rutte erklärte nach der Hamas-Attacke, wir hätten noch nicht oft gesehen, daß sich dieser Konflikt gegen ganz normale Leute richtet. Offenbar begreift er Palästinenser nicht als ganz normale Leute. Aber das sind sie. Sie existieren. Der kleine Gazastreifen hat 2,2 Millionen Einwohner. Fast die Hälfte davon sind noch Kinder. Achtzig Prozent der Kinder in Gaza wurden als depressiv diagnostiziert. Haben wir uns je gefragt, wovon sie träumen? Israel befiehlt zwei Millionen verzweifelten Bürgern, sich binnen eines Tages allesamt im Süden des Gazastreifens zu versammeln, angeblich zu deren eigener Sicherheit. Und dann bombardiert Israel diese Flüchtlinge. Im Süden. Israelis ordnen für ganze Krankenhäuser an, sich zu bewegen, da der Norden ausgelöscht werden würde. Aber wie? Wie können die Kranken und Verletzten, diejenigen, die an medizinischen Geräten hängen, die Krankenhäuser verlassen? Die Alten, die Kranken, die Behinderten und die Schwächsten – sie müssen zurückbleiben und ihr Schicksal erwarten. Vergangene Nacht wurden wir Zeugen eines solchen Schicksals. Ein überfülltes Krankenhaus in Gaza-Stadt wurde getroffen. Ich habe die Bilder gesehen. Ich sah einen Mann mit einem Plastikbeutel umherwandern. Er hielt sie vor sich über die Menge, als ob sich köstliches Brot darin befände. Es war kein Brot. Die durchsichtige Plastiktüte enthielt die Überreste, das Fleisch und die Knochen seiner Kinder. Ich setzte mich nieder und heulte wie ein Tier. Irgendwas läuft schief bei der Menschlichkeit. Bei unserer eigenen und bei der aller derjenigen, die zuschauen ohne einzuschreiten. Einen Wunsch hätte ich noch, weil Träume in dieser Hölle nicht mehr existieren: Daß jemand die Namen der hunderttausenden von palästinensischen Flüchtlingen, Toten und Verwundeten aufzeichnet und dann Abend für Abend ihre Verwandten für das nationale Fernsehen interviewt. Das ergäbe zahllose Sendungen. Es wäre zwar absurd – aber fair.“

All‘ Ihr Parteigänger: Lobet mich!

Na, wie sieht’s aus, all‘ Ihr Parteigänger von den Grünen über die FDP und die CDU bis hinein in die – ja! – AfD? Wollt ihr mich nicht über den grünen Klee dafür loben, daß ich hier ein solches Prachtexemplar von „Antisemit“ ausgegraben habe für euch? Da könnt ihr mal sehen, wie recht ihr habt mit eurer Abneigung gegen den „Antisemitismus“. Oder wäre es vielleicht doch …

Ganz anders?

Wie wäre es denn dann, wenn es anders wäre? Dann wäre es wohl so, daß ihr Meinerleins & Finderleins von grün bis blau einfach keinen blassen Dunst habt, wovon ihr überhaupt redet. Dann wäre es wohl so, daß ihr willentlich keine Unterschiede akzeptieren wollt zwischen den verschiedensten Zionisten und den verschiedensten Juden, obwohl zwar die meisten Zionisten Juden sind, aber beileibe längst nicht alle Juden auch Zionisten. Dann wäre es wohl auch so, daß ihr die Unterschiede deshalb nicht kennen wollt, weil euch „die Juden“ nur als einheitliche, unterschiedslose Entität etwas nützen. Wozu etwas nützen? Dazu, daß ihr euch auf „der richtigen Seite der Geschichte“ verorten dürft, um weiterhin den Moralweltmeister geben zu können. Es geht euch nicht um Israel oder die Juden, um Palästinenser, Moslems oder um „Antisemiten“, sondern es geht euch um euer eigenes Image. Und um das aufrechtzuerhalten, ist euch sogar die eigene Ignoranz höchst willkommen. Was müsstet ihr euch auch für einen Stress machen, erst einmal die Geschichte des Zionismus zu studieren, ehe ihr euch zum Moralweltmeister aufspielen dürft? In der Republik der Deutschen Demokraten darf man schließlich auch so eine gleichberechtigte Meinung haben, gell? Und am schönsten ist die eigene, gleichberechtigte Meinung dann, wenn sie die eigene moralische Höherwertigkeit unterstreicht. Wer nähme auch die nicht gern en passant mit?

Dabei ist es so: Die Semiten sind Angehörige der semitischen Sprachfamilie. Das sind beileibe nicht nur Israelis, sondern auch die Araber in den angrenzenden Ländern. Schon der Begriff „Antisemitismus“ taugt lediglich als Tarnkappe, um unter ihr alles unsichtbar werden zu lassen, was den Staat Israel seines Glorienscheines berauben müsste. Zugegebenermaßen ist die Geschichte sehr verworren, vieles ist miteinander verwoben und das Ganze ist äußerst komplex. Viel zu komplex, um in ehrlicher Absicht auch weiterhin einfach von „die Juden“ und dem „jüdischen Staat“ zu reden. In unehrlicher Absicht geht das allerdings. Aber es ändert nichts. Das Judentum ist über 3.000 Jahre alt, der Zionismus nur etwa 150 Jahre. Daß es den Zionisten viel mehr um einen zionistischen Staat ging als um jüdisches Leben, ist eine Behauptung, welche die Geschichte sehr wohl hergibt. Erzählt wird sie hier und untermauert ist sie mit ca. 140 Quellenangaben.

Namhafte Zionisten

Da ist natürlich als erstes der „Gründervater“ des Staates Israel zu nennen, der Schriftsteller Theodor Herzl (1860 – 1904). Sein 1896 erschienenes Buch „Der Judenstaat“ lieferte die Ursprungsidee, auf welcher dann über ein halbes Jahrhundert später der „jüdische Staat“ gegründet wurde. Herzl gilt als Gründer des „politischen Zionismus“. Ihm ging es hauptsächlich darum, den seit Jahrhunderten verfolgten Juden Europas eine sichere Heimstatt zu schaffen. Selbst Jude, war Herzls Verhältnis zur eigenen Religionszugehörigkeit durchaus zwiespältig. Eine zeitlang liebäugelte er mit der Konvertierung zum Protestantismus. Noch 1892/1893 hielt er es mit den zeitüblichen Stereotypen über das Judentum. Er betrachtete Juden als minderwertige, unmännliche, dauernd mit Gelderwerb beschäftigte Individuen ohne Idealismus. Allerdings bewunderte er die jüdische Standfestigkeit angesichts ihrer jahrhundertelangen Verfolgung im christlichen Abendlande. Theodor Herzl war ursprünglich deutschnationaler Burschenschafter. Für die Gründung eines jüdischen Staates in Israel interessierte er sich erst, als er wegen des Waidhofener Beschlusses aus seiner Studentenverbindung verstoßen worden war.

Chaim Weizmann, Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Autor der Balfour-Deklaration und später erster israelischer Präsident, erklärte in Berlin im Jahre 1912 vor einem Auditorium, “jedes Land kann nur eine begrenzte Anzahl von Juden absorbieren, wenn es keine Magenschmerzen bekommen will. In Deutschland gibt es schon zu viele Juden.“ In einer Dikussion mit dem damaligen britischen Außenminister Arthur James Balfour, dem Namensgeber der nach ihm benannten Deklaration aus dem Jahr 1917, äußerte sich ausgerechnet Chaim Weizmann noch im Jahre 1914 wie folgt: „Auch wir sind mit den kulturellen Antisemiten übereinstimmend insofern einer Meinung, als daß wir der Ansicht sind, Deutsche mosaischen Glaubens seien ein unerwünschtes, demoralisierendes Phänomen.“ – Denken Sie zwischendurch einmal an den Holländer im Fernsehen von weiter oben zurück, der angesichts des Schicksals der Palästinenser Tränen vergossen hat, damit Sie nicht vergessen, wer der Antisemit ist, liebe Parteigänger von grün bis blau. Es kommt gleich nämlich noch viel härter.

In den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, nach Hitlers Wahl zum Reichskanzler, waren die Pläne von Zionisten und Nazis völlig kompatibel. Erstere wollten so viele Juden wie möglich nach Palästina bringen – und Letztere wollten so viele wie möglich loswerden. Da kam es dann zu einer „fruchtbaren“ Zusammenarbeit mit erstaunlichen Begleiterscheinungen. Die Zionisten konnten ihre Propaganda nach 1933 ungehindert fortführen, während die Publikationen der Kommunisten, der Sozialdemokraten und Gewerkschaften verboten waren. Die „Jüdische Rundschau“ erschien weiterhin. Winfried Martini, damals Korrespondent der „Deutsche Allgemeine Zeitung“ in Jerusalem, merkte verblüfft an, es sei „paradox“, daß ausgerechnet die jüdische Presse von den Einschränkungen und Verboten der Nationalsozialisten ausgenommen war und sich einen Grad an Publikationsfreiheit erhalten konnte, der anderen, nichtjüdischen Presseerzeugnissen vorenthalten blieb. Sogar Kritik an den Nazis konnte in der „Jüdischen Rundschau“ veröffentlicht werden, ohne daß das geahndet worden wäre. Verboten war der Verkauf der „Jüdischen Rundschau“ allerdings an Nichtjuden. Auch zionistische Literatur durfte ungehindert gedruckt und verbreitet werden, etwa durch den Jüdischen Verlag oder den Schochen-Verlag in Berlin. Die Werke von Chaim Weizmann, David Ben-Gurion und Arthur Ruppin konnten ungehindert erscheinen.

Logisch: Die Einen wollten so viele wie möglich, möglichst junge Juden zur Auswanderung nach Palästina bewegen (und die Alten eingestandenermaßen ihrem Schicksal überlassen) – und die Anderen wollten so viele wie möglich loswerden. In ihrem „kulturellen Antisemitismus“ passte zwischen Zionisten wie Herzl und Weizmann einerseits und die judenhassenden Nazis andererseits kaum ein Blatt Papier. Palästina wurde abseits aller Differenzen bei den biblisch-messianischen Betrachtungen zwischen orthodoxen als auch reformerischen Juden in den Dreißiger Jahren zum „politisch gelobten Land“ von Zionisten und Nazis gleichermaßen. Bemerkenswert dabei ist, daß es im Fall Palästina keinen der mit den „kulturellen Antisemiten“ einverstandenen Zionisten interessierte, ob die Araber in Palästina von „zu vielen Juden“ vielleicht „Magenschmerzen“ bekommen könnten. Die hatten einfach welche zu bekommen – und spätestens seit 1948 haben sie welche.

Bereits zehn Jahre vor der israelischen Staatsgründung, im Jahr der Reichspogromnacht 1938 und drei Jahre nach der Verabschiedung der Nürnberger Rassegesetze im Jahr 1935, erklärte David Ben Gurion auf einer Veranstaltung der „Labor Zionisten“ in Großbritannien, daß er, wenn er die Wahl hätte, entweder alle jungen Juden aus Nazideutschland nach Großbritannien in Sicherheit zu bringen oder nur die Hälfte von ihnen nach Palästina, für letztere Option votieren würde. Das war seine Prioritätensetzung bei der Frage nach zionistischem Staat einerseits und jüdischem Leben andererseits. Mit dieser Präferenz stand David Ben Gurion nicht alleine. Der Vorsitzende des „American Jewish Congress“, Rabbi Stephen Wise, verfasste im selben Jahr einen Brief, in welchem er sich gegen jene Lockerung der amerikanischen Einwanderungsgesetze aussprach, welche es deutschen Juden ermöglicht hätte, in den USA Zuflucht vor der Verfolgung und Unterdrückung durch die Nazis zu finden. Rabbi Wise: “Es mag für Sie von Interesse sein, daß die Repräsentanten aller jüdischen Organisationen vor einigen Wochen auf einer Konferenz beschlossen hatten, keinen Antrag zu unterstützen, der in irgendeiner Weise die Einwanderungsbestimmungen ändern würde.“

Was die Rettung jüdischen Lebens in Europa anging – und die hätte im Jahre 1943, ein Jahr nach der Wannseekonferenz („Endlösung der Judenfrage“) wirklich Priorität haben können -, äußerte sich Yitzhak Gruenbaum, Vorsitzender des Kommittees zur Untersuchung der Lebensbedingungen europäischer Juden noch fünf Jahre nach Weizmann und Wise folgendermaßen: „Wenn Sie uns mit zwei Plänen kommen, die uns vor die Wahl stellen, entweder die jüdischen Massen in Europa zu retten oder die Wiedererlangung des („gelobten“ – Am.d. Verf.) Landes, dann wähle ich ohne einen zweiten Gedanken die Wiederlangung des Landes. Je mehr über das Schlachten an unserem Volk bekannt wird, desto schädlicher ist das für unsere Bemühungen, die Werbung für die Hebräsisierung des Landes zu stärken. Gäbe es heute die Möglichkeit von Lebensmittellieferungen mit dem Geld von „Karen Hayesod“ (Vereinigter Jüdischer Appell), die über Lissabon durchgeführt werden könnten, – würden wir das dann tun? Nein und nochmals nein!“

Zionistische Nationalsozialisten

Vorausbemerkung: „Jüdisch“ allein als Bezeichnung für eine Religionszugehörigkeit zu begreifen, wäre ein wenig dünn gewesen, um die Forderung nach der „Wiedererlangung des (gelobten) Landes“ durchzusetzen. „Jüdisch“ musste daher eine Bedeutungserweiterung erfahren. „Volk“ oder auch „Rasse“ waren nützlich im Sinne der Bedeutungserweiterung von „jüdisch“. Das wusste auch Theodor Herzl. Es war Herzl, der die „selbsthassenden Juden“ groß ins Gespräch brachte, Juden also, die es mit „jüdisch“ lieber bei einer Religionszugehörigkeit belassen hätten. Eine Relgionszugehörigkeit rechtfertigt schließlich keine irdischen Gebietsforderungen. Herzl und die anderen Zionisten wollten aber den Judenstaat, wie er von Herzl in seinem 1896 erschienenen, gleichnamigen Buch skizziert worden war. Mit dem „selbsthassenden Juden“ griff Theodor Herzl eine Phrase auf, die ihren Ursprung in einer Auseinandersetzung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte, als sich die deutschen orthodoxen Juden der Breslauer Gemeinde mit den Reformjuden in den Haaren hatten. Damals beschuldigten sich die beiden Gruppierungen gegenseitig, Verrat an der jüdischen Identität zu üben. Die Beschuldigung der Orthodoxen den Reformierten gegenüber: Sie orientierten sich weniger an der jüdischen Religion, sondern mehr am deutschen Protestantismus und am deutschen Nationalismus. Anders ausgedrückt: Orthodoxe Juden glauben, daß der Messias nach seiner Ankunft den Tempel in Jerusalem wieder aufbauen -, den Krieg ein für alle mal beenden – und dafür sorgen wird, daß die Menschheit unabhängig von Religion und Kultur in Frieden miteinander leben wird. Reformjuden lehnen diese Vorstellung ab. Sie sind der Ansicht, daß ganz gewöhnliche Menschen die Macht haben, durch gute Taten ein friedliches und wohlhabendes Zeitalter herbeizuführen.

Der Vorteil der reformierten Sichtweise: Gewöhnliche Menschen sind jederzeit zu finden. Nachteil der orthodoxen Sichtweise: Es passiert so lange nichts, bis endlich der Messias ankommt. Das erschwert jedwede irdische Planung ganz erheblich. Und weder das Leben des Zionisten noch das des zionistischen Nationalsozialisten überstieg die übliche Durchschnitts-Lebenserwartung der damaligen Zeit. Wenn du also als Nationalsozialist das eine Land „judenfrei“ bekommen willst und als Zionist das andere Land mit Juden besiedeln willst, hilft dir ein Messias, von dem niemand weiß, wann er kommt, herzlich wenig.

Wer sich übrigens mit der Entstehung des Reformjudentums beschäftigen will, fängt am besten bei den „Frankisten“ des 18. Jahrhunderts an. Die wurden auch als „Kontratalmudisten“ oder als „Sohariten“ bezeichnet. Ihr Anführer war der sabbatianische Zaddik Jakob Frank – und so, wie die Frankisten organisiert waren, nämlich streng hierarchisch, autoritär und mit unbedingtem Gehorsam ihrem weltlichen Anführer gegenüber, waren sie mit der Funktionsweise des späteren deutschen „Führerstaats“ durchaus vertraut.

So nimmt es nicht Wunder, daß auch Nationalsozialisten durchaus nichts einzuwenden hatten gegen Zionisten, die Palästina, das „gelobte Land“, mit Juden besiedeln wollten, welche zuvor präferenzutilitaristisch von Religion zu Volk und Rasse „begriffserweitert“ worden waren. Es waren offensichtlich nicht die Nationalsozialisten, auf deren Mist die Definition der Juden als einem Volk oder einer Rasse gewachsen ist. Die haben eine solche Definition aber selbstverständlich gern von den Zionisten übernommen, weil das ihren eigenen Zielen diente. So schrieb der Chefideologe der Nazis, Alfred Rosenberg (nach den Nürnberger Prozerssen 1946 hingerichtet): „Der Zionismus muß entschieden unterstützt werden, damit eine bestimmte Anzahl deutscher Juden alljährlich nach Palästina abtransportiert – oder mindestens zum Verlassen des Landes gezwungen werden kann.“ Das „Problem“ dabei: Die überwältigende Mehrheit der deutschen Juden waren entweder keine Zionisten oder sogar entschiedene Antizionisten.

In dem preisgekrönten, ergreifenden Dokumentarfilm „Die Wohnung“ (2011) zeichnet der israelische Produzent Arnon Goldfinger die schier unglaubliche Geschichte einer Freundschaft zwischen der zionistischen Exilantenfamilie Kurt und Gerda Tuchler einerseits und Leopold von Mildenstein samt dessen Familie andererseits nach. Die Familie Tuchler lebte in Tel Aviv. Bei der Wohnungsauflösung nach dem Tode Gerda Tuchlers kommen unglaubliche Funde zum Vorschein, größtenteils Briefe, aber auch gemeinsame Urlausbsfotos der Tuchlers mit den von Mildensteins in Nachkriegsdeutschland. Leopold von Mildenstein war im Dritten Reich SS-Offizier im Sicherheitsdienst des Reichsführers SS. Er war dort Leiter der Abteilung II/112: Juden. In diese Abteilung holte er Adolf Eichmann, der mit diesen Erfahrungen später das sogenannte Eichmannreferat aufbaute. Ab 1938 war Mildenstein im Propagandaministerium tätig, wo er Leiter der Nahostabteilung wurde. Die Freundschaft zwischen den Tuchlers in Tel Aviv und den von Mildensteins überdauerte den Holocaust bis weit in die Fünfziger Jahre hinein. Es ist schier nicht zu fassen, daß der Cheflogistiker des euphemistisch als „Endlösung“ verbrämten Massenmords an den europäischen Juden, Adolf Eichmann, sich hebräische Sprachkenntnisse angeeignet hatte und daß von Mildenstein ganz gut hebräisch sprechen konnte. Es gibt übrigens eine sehr seltene Gedenkmünze, die das Einvernehmen von Zionisten und Nationalsozialisten in den Dreißiger Jahren des 20ten Jahrhunderts dokumentiert. Adolf Eichmann floh nach dem Krieg nach Argentinien, wurde dort vom Mossad aufgespürt und 1960 nach Israel entführt, wo ihm der Prozess gemacht wurde. Er wurde am 1. Juni 1962 im Ajalon-Gefängnis von Ramla gehängt. Daß er erst nach Israel entführt werden musste, um ihm dort den Prozess zu machen, hatte einen sehr offensichtlichen Grund. In keinem anderen Staat als dem zionistischen hätte man dafür sorgen können, daß Eichmanns Einlassungen zur Kollaboration von Zionisten und Nationalsozialisten für die Weltöffentlichkeit, die den Prozess verfolgte, keine Thema wurde.

Gedenkmünze: „Ein Nazi fährt nach Palästina“ – Screenshot Facebook

Die deutsche „Rechte“ und Israel im Jahre 2024

Vergessen Sie nicht den eingangs erwähnten „Antisemiten“ aus dem niederländischen Fernsehen, diesen schändlichen „Palifreund“, der auf die „Pallywood-Propaganda“ hereingefallen ist. Für die deutsche Rechte ist der tatsächlich „Antisemit“. Eigentlich ist er „Antisemit“ quer durch alle deutschen Parteien. Da stellt sich die Frage gar nicht mehr, ob der „jüdische Staat“, welcher er zweifellos auch ist, nicht viel präziser als ein zionistischer Staat zu bezeichnen wäre. Zwar sind israelische Zionisten zumeist Juden, aber beileibe nicht alle israelischen Juden sind Zionisten. Und Zionisten gibt es nicht nur in Israel. Die Regierungsagenda Israels ist aber seit Anbeginn des Staates einwandfrei zionistisch. Und die Unterstützung der zionistischen Regierungen Israels durch die christlichen Zionisten in den USA, die Evangelikalen, ist so legendär wie der Einfluß des „American Israel Public Affairs Committee“ (AIPAC) auf Repräsentantenhaus und Senat einerseits und auf US-Demokraten und Republikaner andererseits.

Es ist wohl so: „Antisemitismus“ ist im Grunde ein inhaltsleerer Begriff. Semiten sind alle Angehörigen der semitischen Sprachfamilie. Zu der zählt zweifellos nicht nur hebräisch. Verstanden wird „Antisemitismus“ aber weltweit als „Judenfeindlichkeit“. Wie gesagt: Der Begriff gibt ein solches Verständnis nicht her. Aber er hat zweifellos eine Funktion: „Antisemitismus“ als Vorwurf eignet sich hervorragend, alles unter der „Tarnkappe Judenfeindlichkeit“ unsichtbar werden zu lassen, was es an Unerwünschtem und Unschönem im Zusammenhang mit dem Staate Israel seit dessen Gründung und zur Vorgeschichte seiner Gründung zu berichten gäbe. Dazu zählt, daß zionistischer Terror in den Vierziger Jahren des 20ten Jahrhunderts erheblichen Anteil an der Herbeizwingung der israelischen Staatsgründung hatte. Erwähnt seien hier lediglich der Terroranschlag von Menachem Begins „Irgun“ auf das King David Hotel in Jerusalem 1946, damals Hauptquartier der britischen Mandatsmacht in Palästina. Dabei verloren 91 Angehörige verschiedenster Nationen ihr Leben. Oder der zionistische Pogrom gegen das Dorf Deir Yasin etwa fünf Wochen vor der israelischen Staatsgründung am 14. Mai 1948. Es gäbe so viel mehr zu beleuchten, nicht zuletzt auch die Siedlungspolitik im Westjordanland, die nachweislich so angelegt ist, daß zusammenhängende Palästinensergebiete in viele kleine und voneinander isolierte Einheiten zerlegt und von zionistischen Siedlungen eingekesselt werden. Die Siedlerbewegungen seit 1967 sind überhaupt ein sehr aufschlußreiches Kapitel, was die dahinterliegende Langfristagenda der zionistischen Regierungen im „jüdischen Staat“ angeht.

Und noch etwas wäre einmal deutlich zu benennen: Das Kalkül der israelischen Regierung Netanyahu mit der geschichtlichen Ignoranz all jener „Wertewestler“, die, wahlweise als Schuldige oder Schuldzuweiser, das bekannte Nachkriegsnarrativ von „pauschal ‚die Juden’“ verinnerlicht haben, in welchem an keinem Punkt die zionistische Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten auch nur die geringste Rolle spielt. Das führt dann im Jahre 2024 dazu, daß ausgerechnet die politischen Zionisten von heute als Nachfolger derjenigen, die im Dritten Reich jüdisches Leben in Kollaboration mit den Nationalsozialisten zugunsten ihrer Idee vom „jüdischen Staat“ in Palästina opferten, dann, wenn es vor dem UN-Sicherheitsrat um ihren Völkermord und ihre Kriegsverbrechen an den Palästinensern ’24 geht, rotzfrech mit genau dem angehefteten Judenstern am Jacket erscheinen, den die deutschen und europäischen, nicht- oder antizionistischen Juden damals nicht zuletzt aufgrund der zionistischen Kollaboration mit den Nazis zu tragen hatten. Das ist nicht mehr nur Chuzpe. Das ist der – leider aussichtsreiche – Versuch einer Verschleierung der Tatsache, daß die Zionisten der israelischen Regierungskoalition von heute sich bei ihrem Vorgehen gegen die palästinensische Zivilbevölkerung hinter dem „Qualitätsopfersiegel Jude“ verstecken, um letztlich die Ähnlichkeit zwischen ihrem eigenen Vorgehen heute und dem der Nazis von damals unsichtbar werden zu lassen.

Eine deutsche „Rechte“, die sich bei ihrer Rechtfertigung für den zionistischen Völkermord und die Kriegsverbrechen an den Palästinensern im Jahre 2024 beschränkt auf die Schuld ihrer eigenen Vorfahren am nationalsozialistischen Massenmord an den Juden Europas, um durch ihre „Solidarität“ eine Art „Wiedergutmachung“ oder eine „Selbstreinigung von der historischen Schuld“ zu erreichen, ist entweder völlig ignorant oder absolut gewissenlos. Das wären dann Grundsatzcharakteristika. Das heißt, daß man, ganz egal, in welchen anderen Teilbereichen diese „Rechten“ nachvollziehbar argumentieren, es im Falle ihrer „Machtübernahme“ entweder mit Ignoranten oder mit Gewissenlosen zu tun hätte. Wer könnte so etwas wollen? Und was wären ihre „Antisemitismus“-Vorwürfe an die Kenntnisreicheren anderes als eine einzige, unverfrorene, vor Hybris zum Himmel stinkende Unverschämtheit in der Selbstgerechtigkeit? Wo anders als vom Regen in die Traufe käme man wohl mit einer solchen deutschen „Rechten“ hin? Und wie würde sich die dann grundsätzlich von dem linksdrehenden Altparteienkartell unterscheiden, dessen absichtsvoller Ignoranz man ursprünglich via „die Rechten“ zu entkommen dachte? Das deutsche Problem ist nicht der Unterschied zwischen „links“ und „rechts“ nach Nützlichkeits-Definition der Rotlinken, sondern der allgegenwärtige Trugschluß, daß sich Wahrheit und Lüge unterschiedslos zu „gleichberechtigte Meinung“ vermischen ließen. Das deutsche Problem sind die ubiquitär vorhandenen „Meinerleins & Finderleins in der Demokratie“ in ihrem Wahn von der eigenen Hochanständigkeit. Perfide wird das, wenn „die (verschiedensten) Juden“ in Israel durch eine deutsche „Rechte“ schon wieder instrumentalisiert werden sollen, dieses Mal als „Bollwerk gegen den politischen Islam“ in einem Kampf, der „Europa noch bevorsteht“. Als gäbe es Japan nicht. Gibt es aber. 125 Millionen Einwohner, 70.000 Muslime, 90 Prozent von ihnen Ausländer – und nicht eine einzige Halal-Zertifizierungsstelle im ganzen Land. Das alles ganz ohne Israel.

Richtig übel

Im April 2024 befindet sich Welt an einem Punkt, an welchem sich der vorgebliche „Kampf gegen die Hamas“ ausbreitet wie ein Flächenbrand. Inzwischen hängt der schiitische Iran mit drin, die iranisch unterstützte Hezbollah im Libanon, das Rote Meer ist Kriegsgebiet und es zeichnet sich ab, daß dann, wenn Israel nach dem iranischen Konsulat in Damaskus als Gegen-Gegenreaktion auf die iranische Antwort den Iran angreift, mit Sicherheit Russland mit von der Partie sein wird – und deshalb dann auch mit größter Wahrscheinlichkeit die USA. Dann ist auch die Samson-Option im Gespräch, also die israelische Drohung mit dem Einsatz von Nuklearwaffen. Das ist bemerkenswert, wenn man sich überlegt, was für alles das der Anlaß gewesen sein soll: Der 7. Oktober 2023, jener Tag, von dem bis heute niemand genau weiß, wie er angesichts des besten Sicherheitskonzepts der Welt überhaupt so ablaufen konnte wie er evident abgelaufen ist. Es scheint auch kein gesteigertes Interesse mehr daran zu geben, dieses Sicherheits-Totalversagen im Staate von „Mr. Sicherheit“ Netanyahu lückenlos aufzuklären und die Ergebnisse der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Fest steht nur, daß die Verhältnismäßigkeit in den Größenordnungen, um die es beim 7. Oktober 2023 im Vergleich zum 17. April 2024 geht, praktisch nicht mehr gegeben ist. Damit wandelt sich der 7. Oktober 2023 zwangsläufig von der Ursache immer mehr zum Anlaß. Man muß kein Zyniker sein, um anzuerkennen, daß es den Zynismus gibt. Weil das so ist, darf man auch einmal zu der Überlegung anregen, ob es außer dem Anlaß auch noch den „willkommenen Anlaß“ gibt. Die israelische Regierung soll Warnungen sowohl anderer Geheimdienste als auch aus der eigenen IDF vor dem Angriff am 7. Oktober als „unsubstantiiert“ beiseite geschoben haben. Noch nicht einmal die niedrigste Alarmstufe wurde ausgerufen.

Fest steht, daß es sich bei den „Ultrarechten“ in Netanyahus Regierungskoalition um die Verfechter eines „Eretz Israel“ handelt, einem Israel also, das in seinen Grenzen jenem „gelobten Land“ entspricht, in welchem sie das „auserwählte Volk“ sind – und dessen Grenzen mit den international anerkannten Staatsgrenzen Israels wenig zu tun hat. Das gelobte Land wäre ungefähr um das Dreifache größer als das heutige Israel. Es handelt sich bei diesen ultrarechten Zionisten um diejenigen in der Nachfolge der oben erwähnten Reformjuden, die nicht der Ansicht sind, daß man für das „messianische Zeitalter“ auf die Ankunft des Messias warten muss, weil dessen Rolle auch von Menschen übernommen werden kann.

Teufel aber auch: Sowohl der israelische Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, als auch der Finanzminister Bezalel Smotrich bezeichnen sich selbst als Faschisten. Im Büro von Itamar Ben-Gvir hängt gar ein Porträt von Baruch Goldstein an der Wand, jenem zionistischen Attentäter, eingewandert aus den USA, der Mitte der Neunziger Jahre ein Massaker in der Moschee von Hebron anrichtete. Zeitgenössischen Zeugenaussagen zufolge ist es auch Itamar Ben-Gvir gewesen, der 1995, vier Wochen vor der Ermordung des israelischen Präsidenten Jitzchak Rabin (erzzionistisch: „Landesverräter“) durch den zionistischen Extremisten Jigal Amir, von einer Netanyah-Veranstaltung zurückkam und triumphalisch die Kühlerfigur von Rabins Cadillac in Händen hielt, um zu verkünden, daß man Rabin selbst auch noch erwischen werde. Sowohl das politische Überleben Netanyahus, der wegen Korruption angeklagt ist, als israelischer Premier aber so lange Immunität genießt, wie er im Amt ist, als auch sein privates Leben in Freiheit hängen völlig am Fortbestand seiner Regierungskoalition. Netanyahu ist Wachs in den Händen der zionistischen „Eretz-Israel“-Fraktion. Was muß zugunsten eines „Eretz Israel“ auf jeden Fall weg? – Die Araber im Gazastreifen und im Westjordanland. Ob man will oder nicht: Da wird der 7. Oktober 2023 doch gleich nicht mehr nur von der „trüben Talgfunzel deutsch-rechter Provenienz“ beleuchtet, sondern vom Flutlicht im „Stadion des Überblicks“! – Ja, oder nicht?

Und dann das: Die UN-Völkermord-Konvention, von der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1955 ratifiziert: Die Konvention definiert Völkermord in Artikel II als „eine der folgenden Handlungen, begangen in der Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören.“

a) das Töten eines Angehörigen der Gruppe.

b) das Zufügen von schweren körperlichen oder seelischen Schäden bei Angehörigen der Gruppe.

c) die absichtliche Unterwerfung unter Lebensbedingungen, die auf die völlige oder teilweise physische Zerstörung der Gruppe abzielen.

d) die Anordnung von Maßnahmen zur Geburtenverhinderung.

e) die zwangsweise Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.

Und dann habe ich heutzutage deutsche Politiker quer durch alle Parteien – richtig übel: bis in die AfD hinein – die, im Widerspruch zu Regierungen und Völkern einer Unzahl anderer Nationen, wo man offensichtlich lesen gelernt hat, um Texte zu verstehen, behaupten, was das israelische Vorgehen gegen die Palästinenser angehe, müsse man differenzieren, interpretieren, diskutieren und pi-pa-po. Völkermord sei nicht immer Völkermord und Kriegsverbrechen seien nicht in jedem Fall Kriegsverbrechen. Größere Teile der AfD begeben sich da tatsächlich auf das Niveau herunter, das von der Linken, zu der sie die Alternative zu sein hätten, hinlänglich bekannt ist: Wahr zu sein hat, was meiner Agenda oder meinen Vorlieben dient.

Das Oberübel mit diesen Leuten ist, daß sie sich dabei trotz ihrer historischen Unkenntnis auch noch zu den Lordsiegelbewahrern jedweder Moral aufschwingen, um dann sogar noch den „rechtsinternen“ Dissidenten Etiketten nach bekannt linker Manier auf die Stirn zu pichen: Antisemit, Moslemfreund, Linksextremist und so weiter. Womit ich dann auch zum Schluß komme: Wenn sich die deutsche Rechte, die sich als Alternative zum linken Gesinnungsterrorismus mit seiner Wokeness und alledem begreifen will, in ihrer intellektuellen Grundausstattung und bei der Verwendung ihres argumentativen Handwerkszeugs nicht grundsätzlich von den Linken unterscheiden will, dann kann sie ihre Oppositionsrolle auch gleich ganz auf den Müll werfen. Niemand braucht eine Opposition, in welcher der Präferenzutilitarismus unter umgekehrten Kennzeichen genauso zuhause ist wie bei der (noch) diskursbestimmenden Linken. Dabei ist der Nahe Osten nur ein aktuelles Negativbeispiel. Vorher schon konnte man über den jakobinischen Eifer mancher Rechter in Sachen Cannabislegalisierung nur noch fassungslos mit dem Kopf schütteln. Deren Antihaltung war evident getragen von ihren Ressentiments gegenüber der üblichen Kifferklientel. Vom Thema Cannabis selbst hatten sie keine Ahnung, absolut keine. Sie entblödeten sich dennoch nicht, Sturm zu laufen gegen eine Legalisierung, von der sie selbst gar nicht betroffen waren. Undenkbar, daß sie auch nach der Legalisierung bleiben lassen dürfen, was sie schon bisher bleiben lassen konnten. Ahnungslos und meinungsstark: Das ist offenbar die deutsche Demokratie von links bis rechts. Es ist ernüchternd. Das saudumme, komplett ahistorische „Antisemitismus“-Geplärr quer durch alle Parteien, komplettiert durch die jeweiligen Attitüden, ist im Grunde ein akustischer Deppenausweis. Volk der nicht ganz dichten Denker, oder was?

„Meiner“ 1920 geborenen Ilse, die damals vor den Nazis aus Berlin zunächst nach Kuba floh und ab 1941 in Chicago wohnte – und deren letztes Lebensjahrzehnt ich als Freund begleiten durfte, würde sich der Magen umdrehen angesichts der „Antisemitismus“-Debatten auch der deutschen Rechten. Sie ist 2003 in Chicago verstorben. Der „Tagesspiegel“ widmete ihr im Jahr 2007 einen Artikel. Auszug: „Aber das größte Glück ihrer letzten Lebensjahre war es, eine Freundin in ihrer Heimatstadt gefunden zu haben. Ihr vererbte sie das Kochbuch und das kolorierte Foto, Ilse als Kind mit großer roter Schleife in den Haaren, das war ihr letzter Wunsch: „Damit ich wieder in Berlin bin.“ Ich kann da nur anfügen: Diesen fahrlässigen Umgang mit deiner Lebensgeschichte, liebe Ilse, diese utilitaristische Plünderung hast du wahrhaftig nicht verdient. Ruhe weiterhin in Frieden, meine Gute. Es ist mir ein Trost, daß du nicht mehr mitbekommen mußt, was für ignorante und widerliche Arschkrampen in Berlin schon wieder das Maul sperrangelweit offenhaben.

(Grundlage des Artikels war diese Historikerarbeit. Sofern es sich nicht um eigene Schlußfolgerungen handelt, basieren alle genannten Fakten auf jenen Publikationen, die im Quellenverzeichnis der verlinkten Arbeit einzusehen sind. Es sind etwa 140. )

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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