31. Oktober: Reflexion zum Reformationstag
Der Reformationstag ist Feiertag in einigen protestantisch geprägten Bundesländern. Ein Literaturtip, der am Reformationstag sonst nirgends gegeben werden dürfte: „Das Ich im Glauben von Martin Luther – Der Ursprung der anthropozentrischen Religion“ (1966) des Indologen Paul Hacker (1913-1979).

Im Verlag „nova & vetera“ ist das meist vergriffene Buch offenbar noch erhältlich. Es enthält ein Vorwort von Kardinal Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI. Auch wer es nicht kaufen will: Trotzdem anklicken und dort die hervorragende Rezension von David Berger lesen. Auszug: “ Wenn man auch im Hinblick auf die Entwicklung der ‚anthropozentrischen Religion‘ nicht nur monokausal auf Luther, sondern auch auf Bewegungen innerhalb der nachtridentinischen katholischen Theologie und der spätscholastischen Philosophie blicken sollte. Spätestens an dieser Stelle zeigt sich, dass dieses Buch alles andere denn eine antiquarische Angelegenheit ist. Wenn es wahr ist, daß heute der große spaltende Graben in der Christenheit nicht so sehr die verschiedenen Konfessionen voneinander trennt, als vielmehr zwischen einem theozentrischen Verständnis des Christentums auf der einen und einer anthropozentrischen Entstellung des christlichen Glaubens auf der anderen Seite verläuft, wird man Kardinal Ratzinger unbedingt Recht geben, der davon sprach, daß in diesem Buch und seiner ‚Leidenschaft zur Wahrheit‘ ein ‚Ferment liegt, das dem ökumenischen Gespräch nur dienen kann.‘“ – Um das hier nicht ausufern zu lassen angesichts der Meldungen, die weiter unten noch kommen: Es führt eine schnurgerade Linie von 1517 (Luthers Thesenanschlag in Wittenberg) über 1789 (frz. Revolution) nach 1917 (Oktoberrevolution) – und von dort zum sich selbstvergottenden „Wertewesten“, der heute in aller Munde spazierengetragen wird. Ein Buch, bei dessen Lektüre einem ein paar Erkenntnisse zur europäischen Geistesgeschichte der vergangenen 500 Jahre sprichwörtlich wie Schuppen von den Augen fallen. Dringende Empfehlung!
Amerika
In den Vereinigten Staaten, dem Herkunftsland des „motherfuckers“, ist ein ubiquitärer Ausruf legendär: „Oh My God!“. Da haben wir es schon. In den USA ruft man nicht „Oh Gott!“, sondern „Oh mein Gott!“. Es hat wohl jeder seinen eigenen. Die Vielzahl der protestantischen Splittergruppen, die sich in anthropozentrischer Menschenfrömmigkeit gegenseitig zu überbieten versuchen in „(my) god’s own country“, ist legendär und scheint den Eindruck von der Vielzahl der persönlichen Götter zu bestätigen. Kein Wunder, daß die Mein-Gott-Gläubigen sich nach einer irdischen Gottverköperung sehnen, hinter der sie sich sammeln können, und daß sie die in Donald Trump erkennen. Der läßt sich auch nicht umsonst betend im Kreise seiner Vertrauten ablichten und die Fotos im Wahlkampf verbreiten. Unser je individueller Gott mit ihm! Die Antipode dazu sind jene Agnostiker und Atheisten, die mit einem oder ihrem Gott überhaupt nichts mehr anzufangen wissen und lieber ihrem Kulturmarxismus frönen. Weil sie das für klüger halten. Die Auseinandersetzung zwischen diesen beiden, grob so zu umreißenden Gruppen, nimmt allmählich kriegerische Formen an.
Sechs Tage vor dem offiziellen Wahltermin am 5. November gibt es Berichte von brennenden „Ballot boxes“ in den Swingstates. Und zwar dort, wo Trump und die Republikaner vorne liegen. Daß es diese „Ballot-Boxes“ immer noch gibt, obwohl Dinesh d’Souza bereits 2021 in seiner Doku „2000 mules“ auf die Probleme hinsichtlich eines korrekten Wahlergebnisses verwies, die solche, öffentlich wie Briefkästen aufgestellten „Ballot-boxes“ mit sich bringen, gibt es sie immer noch. Überhaupt verschärft sich im Abstand von vier Jahren zur letzten, höchst umstrittenen Wahl aus dem November 2020, der Eindruck erneut, daß es sich bei Wahlen nur noch um Showveranstaltungen zur Aufrechterhaltung der Illusion von „Freedom & Democracy“ in „(my) god’s own country“ handeln könnte. Im Endeffekt scheint der amerikanische „Souverän“ genauso entklötet worden zu sein wie der deutsche oder sonst irgendeiner im sogenannten Wertewesten. Besonders eindrucksvoll wurde das vom Sender ABC angesichts der Übertragung eines Autorennens demonstriert. Sechs Tage vor der eigentlichen Wahl wurden dort schon einmal Wahlergebnisse präsentiert (siehe Foto) .

Deutschland, Israel & Ukraine
Der YouTube-Kanal von „Redacted“ (2,52 Mio. Abonnenten) des ehemaligen Fox-Moderators, Kollegen und Freund von Tucker Carlson, Clayton Morris, hat einen starken Fokus auf geopolitische Entwicklungen. Regelmäßige Gäste dort sind z.B. der Politologe Ralph Schöllhammer und der von Donald Trump im Juli 2020 noch für Deutschland vorgesehene US-Botschafter in spe, Colonel Douglas Macgregor, ehemals Lehrbeauftragter an der amerikanischen Militärakademie. „Redacted“ berichtete dieser Tage von Plänen des Deep State und seiner Politbüttel in der US-Administration, in der Zeit zwischen dem 5. November 2024 und dem „Inauguration Day“ am 20. Januar 2025 das Kriegsrecht auszurufen für den Fall, daß der Gewinner der US-Wahl ´24 Donald Trump heißen sollte.
Außerdem: Selenskyj ist sauer, weil er von den USA jene Langstreckenraketen nicht bekommt, mit denen er weitere „Präventivschläge“ tief in Russland durchzuführen gedachte, um die Russen zu einem Rückzug aus den nunmehr russischen Gebieten zu zwingen, die bis vor bald drei Jahren noch ukrainisches Territorium gewesen waren. Tatsächlich wollen sich aber alle Parteien gesichtswahrend aus dem Ukrainekrieg davonstehlen. Selenskyj nennt die fehlende westliche Unterstützung für seinen „Siegesplan“ als Ursache einer zu erwartenden, bedingungslosen Kapitulation; der Wertewesten hingegen schiebt Selenskyj selbst als Begründung vor. In Russland hieß es unterdessen, Selenskyjs „Siegesplan“ mangele es an zwei wesentlichen Faktoren, welche da wären der Sieg und der Plan. An einen Sieg des „Wertewestens“ im Krieg gegen die Russen glaubt im Wertewesten ebenfalls niemand mehr. Anderslautende Äußerungen wie etwa die von Deutschlands Friedrich „BlackRock“ Merz erfolgen sehr offensichtlich nur deshalb noch, um die wahre Interessenlage zu verschleiern. Blackrock und Vanguard sind in großem Umgange an Cargill, Monsanto und DuPont beteiligt, die sich in Selenskyjs „Ostkorruptistan“, der Ukraine, landwirtschaftliche Nutzflächen im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar „ergaunert“ hatten, eine Fläche, größer als die landwirtschaftloch nutzbaren Flächen von ganz Italien. Bei einer bedingungslosen Kapitulation müssten diese Milliarden komplett abgeschrieben werden. Für Friedrich Merz, Roderich Kiesewetter, Anton Hofreiter, Agnes-Marie Strack-Zimmermann, Boris Pistorius und Michael Roth kann es nur noch darum gehen, bei ihren eigentlichen Auftraggebern nicht in Ungnade zu fallen mit Einlassungen, die der geopolitischen Realität entsprächen. Präferenzutilitaristische Traumtänzerei im Quadrat also. Zwecklügen zum kurzfristigen, eigenen Wohl & Frommen. Nicht wenige in Dummdeutschland, AfD-Prominenz eingeschlossen, fordern dennoch Neuwahlen in Deutschland, wohlwissend, daß der nächste Kanzler entweder Friedrich Merz oder Boris Pistorius heißen müsste. Aber bitte, wann hätten sich Deutsche der demokratischen Schönheit zuliebe noch nicht ins eigene Knie geschossen?
In Israel wurde inzwischen eine Fabrik zur Drohnenherstellung von iranischen Raketen getroffen, der Iron Dome hält bei weitem nicht, was sich alle Welt von diesem Wunderwerk der israelischen Raketenabwehr erwartet hatte, im südflichen Libanon fallen die israelischen Soldaten wie die Mücken, Elitesoldaten wie etwa die der Golani Brigade samt hochrangiger Kommandeure inklusive. Inzwischen haben etwa 1 bis 1,2 Millionen Israelis mit doppelter Staatsbürgerschaft die „sichere Heimstätte für die Juden dieser Welt“ verlassen, zumeist in Richtung USA oder Kanada. Benjamin „Bibi & Mr. Sicherheit“ Netanyahu und die Seinen sind erwiesenermaßen unfähig, Israel seinem behaupteten Selbstzweck zuzuführen. Da das Wort „Hamas“ nicht nur – je nach Sichtweise – eine palästineissche Terrororganisation oder eben palästinensische Freiheitskämpfer beschreibt, sondern eine ebenso eine Befreiungsideologie, darf man angesichts der demographischen Lage bei den durchschnittlich sehr jungen Palästinensern davon ausgehen, daß sie seit dem 7. Oktober 2023 nicht wirklich dezimiert worden ist, sondern eher gewachsen sein dürfte. Bei der libanesischen Hizbollah sieht es im Grunde nicht anders aus. Wohlwissend, daß Israel seine angekündigte Strategie verwirklicht, die in sogenannten Enthauptungsschlägen besteht, gibt es dort so viele bereits feststehende Ersatzhäupter, daß jeder von Israel „ausgeschaltete“ Führungskopf sofort ersetzt werden kann durch einen, der sich in der Materie ebenso gut auskennt.
Zu erwarten ist, daß sich der Iran noch vor dem Wahltermin in den USA dazu entschließen wird, Israel den alles entscheidenden Schlag zu versetzen, auch, um dem wahrscheinlichen Wahlsieger Trump kein Israel mehr übrig zu lassen, welches er unterstützen könnte. Trotz aller gegenläufigen Regierungspropaganda merken die Israelis allmählich, daß die langjährige Devise „Dominanz durch militärische Überlegenheit“ mangel militärischer Überlegenheit nicht länger mehr gilt. Panik bricht aus. Der jüngste israelische „Vergeltungsschlag“ gegen den Iran muß allen gegenläufigen „Jubelmeldungen“ im Wertewesten als Fehlschlag bezeichnet werden. Es war den Israelis nicht gelungen, mit ihren F-16 und en F-35 in den iranischen Luftraum einzudringen, um die dortige Abwehr aus der Luft auszuschalten und dann ungehindert eine zweite und eine dritte Angriffswelle zu fliegen. Außerdem sieht es im Moment nicht danach aus – jedenfalls nicht bis nach dem 5. November und einem Trump-Sieg -, als könnte es Netanyahu noch gelingen, die USA in seinen regionalen Wunschkrieg mit hineinzuziehen. Für den Staat Israel und den Iran rennt die Zeit. Es gälte für den Iran, vorher noch vollendete Tatsachen zu schaffen – und für Israel gälte, genau das zu verhindern. Bis dahin ist Israel daher damit beschäftigt, so viele Palästinenser und Libanesen zu killen wie nur möglich. Noch nicht einmal mehr UN-Blauhelme oder andere UN-Organisationen wie UNIFIL oder die Vereinten Nationen als solche will Netanyahu noch berücksichtigen. Parallel dazu läuft ein Zensurkrieg gegen alle Medien, die sich weigern, das gewünschte Israelnarrativ zu verbreiten. In keinem anderen Krieg als dem gegenwärtigen Nahostkrieg wurde in so kurzer Zeit dermaßen absichtlich so viele Journalisten angegriffen. Die Zahl getöter Journalisten im Libanon, im Westjordanland und im Gazastreifen liegt zur Zeit bei etwa 120.
Die deutschen „Wissis Raelständer“ haben sich total verrannt. Das wissen sie auch. Wahrhaben wollen sie es nicht. Das alte deutsche Problem: Es kann nicht wahr sein, was nicht wahr sein darf. Und so labern sie allesamt nur noch unhaltbares Zeug daher vom „sippten Oktoper“ (von dem inzwischen nicht mehr nur Douglas Macgregor überzeugt ist, daß er ohne irgendeine Kollaboration von israelischer Seite so nicht hätte stattfinden können), vom israelischen Existenzrecht, vom westlichen Vorposten gegen die Weltherrschaft des Islam, dem Antisemitismus der Israelkritiker und so weiter – und alles um den Preis, sich nicht mit der wirklichen Geschichte von Zionismus und dem Staat Israel auseinandersetzen zu müssen. Da könnten Weltbilder kollabieren, welche die Grundlage für all‘ den Stuß geliefert haben, den man in den vegangenen zwölf Monaten verzapft hatte.
Hier ein Brief von Albert Einstein, datiert vom 10. April 1948 und adressiert an den Vorsitzenden von „Amerikanische Freunde der Kämpfer für die Freiheit von Israel“ in New York.

Übersetzung: „Sehr geehrter Herr, sollte uns eine tatsächliche und endgültige Katastrophe in Palästina ereilen, dann wären dafür die ersten Verantwortlichen die Briten und die zweiten Verantwortlichen wären die terroristischen Organisationen aus unseren eigenen Reihen. Ich wünsche niemanden zu sehen, der mit diesen fehlgeleiteten und kriminellen Leuten in Verbindung steht. Mit freundlichen Grüßen – Albert Einstein“
Es sieht ganz danach aus, als sei es heute so weit: Es ereilt die Zionisten in Palästina Albert Einsteins „tatsächliche und endgültige Katastrohe“. Niemand kann dabei behaupten, die Katastrophe träfe wahre Unschuldslämmer. Und der Physik-Nobelpreisträger Einstein wäre auch bei weitem nicht der einzige, evident kluge Kopf, der das vor bald acht Jahrzehnten schon für möglich gehalten hatte. Da wären mindestens noch Hannah Arendt und Charles de Gaulle zu nennen.
Die Augen vor dem wahren Charakter der Zionisten zu verschließen, kommt in Deutschland unter frenetischem Ausrufen der Phrase „Aber die Juden! Die Juden!“ dennoch dem Ausweis der eigenen Läuterung als einem relativ löblichen Resultat der „deutschen Geschichte“ gleich. Das ist nicht nur saudumm, sondern auch noch rein egozentrisch. Die Egozentrik wiederum ist eine Detailerscheinung der allgemeineren Anthropozentrik. Und damit wäre ich dann wieder beim heutigen Reformationstag angelangt, an welchem des Ursprungs der anthropozentrischen Religion gedacht wird.
Mats
Herausragend. Vom deutschen Falken im Weinberg



1 comment