Nette Leute: Israelische Fußballfans in Amsterdam
Nach einem Fußballspiel des Erstligisten Ajax Amsterdam in der Europa-League gegen Maccabi Tel Aviv kam es zu schweren Ausschreitungen in Amsterdam. Natürlich waren die Israelis wieder Opfer von Antidingsbumsismus. In der „wertewestlichen“ Presse gibt es da kein Vertun.
So „berichtet“ etwa die ARD-Tagesschau: „Nach Angaben der Polizei gab es im Anschluss an das Spiel an mehreren Orten im Zentrum der niederländischen Hauptstadt Unruhen – wobei nicht näher erläutert wurde, von welcher Seite die Gewalt ausging.“ – Das stimmt. Die Polizei in Amsterdam hat das nicht näher erläutert. Ich weiß aber, wer es erläutert hat. Weiter unten mehr dazu. Die „Tagesschau“ weiter: “ ‚An mehreren Stellen in der Stadt wurden Fans belagert, misshandelt und mit Feuerwerkskörpern beworfen‘, erklärte Bürgermeisterin Femke Halsema. Sie verurteilte dieses ‚antisemitisches Verhalten‘. Stadt und Justiz untersuchen die Vorfälle. Die Behörden rufen alle Opfer auf, sich bei der Polizei zu melden und Anzeige zu erstatten. (…) Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu lässt laut seinem Büro Rettungsflugzeuge für verletzte Fans in die Niederlande schicken. Netanyahu ‚betrachtet den schrecklichen Vorfall mit größtem Ernst, erklärte das Büro des Regierungschef. Er fordere ‚die niederländische Regierung und die Sicherheitskräfte auf, energisch und schnell gegen die Randalierer vorzugehen und die Sicherheit unserer Bürger zu gewährleisten‘.“
Nun kann man bekanntlich immer dann von Propaganda reden, wenn es ein politisches Interesse daran gibt, daß sich die Massen ein bestimmtes Bild machen. Das Mindeste, was daher geboten erscheint, ist, sich auch die Propaganda der Gegenseite anzuhören, um eine Geschichte auf Plausibilitäten hin zu untersuchen.

Tarek Baè, von Springers evident zionistenhöriger „Welt“ beschrieben als „aufstrebender Polit-Influencer“, dessen Beiträge über Antirassismus und den Islam von Zehntausenden gelesen würden, liefert ein ganz anders Bild der Geschehnisse in Amsterdam. „Kritiker sehen in Baé einen gefährlichen Ideologen. Auch wegen seiner kontroversen Position zum Islamismus.„, schreibt die „Welt“. – Nun ja, was täte man in der Zionistenwelt nicht alles, um über das Wort „Kritiker“ zu insinuieren, daß die selbst wiederum keiner Agenda folgen würden. Ich zitiere hier Tarek Baè mit seiner Schilderung der Vorkomnisse in Amsterdam, weil sie mir aufgrund einer mehrmaligen persönlichen Erfahrung mit israelischen Abschlußklassen auf Europareise recht plausibel vorkommen. Ich habe junge Israelis beim Besuch der Gedenkstätte Auschwitz des öfteren beobachtet. Ich muß sagen: Mit Fassungslosigkeit. Eine Stimmung wie auf dem Oktoberfest für die jungen Herrschaften aus Israel. Sehr befremdlich.
Also Tarek Baè: „Ein Faktencheck: Medien und Politik sprechen von einem ‚antisemitischen Pogrom‘ in Amsterdam. Ein Wortlaut, den sie unkritisch von Israels Regierung abschreiben.
Zum Hintergrund: Am Rande eines Fußballspiels zwischen dem israelischen Verein Maccabi Tel Aviv und Ajax Amsterdam kam es zu Gewalt durch die israelischen Fans und gegen die israelischen Fans. Was tatsächlich passiert ist:
– In Amsterdam wurde nicht „Jagd auf Juden“ gemacht. Es gibt bislang keine Hinweise auf antijüdische Attacken.
– Israelische Fans, genau genommen Hooligans, zogen durch die Straßen Amsterdams und skandierten Vernichtungsaufrufe wie „Beende die Araber“ und „lass die israelische Armee die Araber f*cken“, sowie „f*ck Palestine“ und „in Gaza gibt es keine Schulen, weil es keine Kinder mehr gibt.“
– Es kam zu Angriffen durch die israelischen Hooligans. So berichtet RTL NIEUWS z.B. davon, dass ein Mob israelischer Hooligans einen Taxifahrer misshandelt hat. Auf anderen Videos ist zu sehen, wie israelische Hooligans Passanten attackieren. Weitere Video zeigen sie dabei, wie sie Privathäuser raufklettern und palästinensische Fahnen runterreißen. BBC berichtet, die israelischen Hooligans hätten Schlägereien gesucht.
– In der Nacht kam es zu weiteren gewalttätigen Ausschreitungen, aber diesmal gegen die israelischen Hooligans. Videos zeigen Attacken und verängstigte israelische Fans. Auf einem Video hört man einen Mann „ich bin nicht jüdisch“ rufen. Auf einem anderen Video wird ein Passant nach seinem Pass und seiner Herkunft gefragt.
– Die israelische Regierung sprach daraufhin von einem Pogrom und kündigte an, Flugzeuge zur Evakuierung der Fans zu schicken. Medien und Politik überschlagen sich.
Eine israelische Desinformationskampagne
Natürlich soll die Ankündigung Flugzeuge zu schicken, die Situation wie eine eskalierte Katastrophe wirken lassen. Es ist schlichtweg nicht nötig. Allein heute, am 8. November, gibt es acht direkte Linienflüge von Amsterdam nach Tel Aviv. Hinzu kommen zahlreiche Flüge mit Umstieg. Jerusalem Post berichtete, Israel habe Agenten des Auslandsgeheimdienstes Mossad nach Amsterdam mitgeschickt. Offiziell zur „Sicherheit“. Was ihre Rolle bei den gewaltsamen Ausschreitungen durch israelische Hooligans und gegen israelische Hooligans war, ist nicht bekannt. Welches Interesse könnte Israels Regierung haben? Die Ausschreitungen zu einem antisemitischen Hassverbrechen hochzuschaukeln kann im Sinne der israelischen Regierung Zustimmung für Israels Politik schaffen und von Gaza ablenken.
Die Holocaustverharmlosung hinter „Pogrom“
Es gab viele Pogrome in Europa gegen Juden. Echte Pogrome. Nie, wirklich nie gingen zuvor gewaltbereite jüdische Männer durch die Straßen und forderten die Vernichtung eines ganzen Volkes. Echte Opfer von Pogromen mit diesen israelischen Hooligans gleichzusetzen, verharmlost nicht nur jene Pogrome, wie etwa den Größten, den Holocaust, es kriminalisiert zudem die Opfer. Diese Hooligans sind nicht einfach „Juden“, sondern Personen, die genozidale Hasstiraden äußerten, Menschen und Besitz angriffen und auch sonst häufig durch Gewalt auffallen. Im März verprügelten Hooligans des selben Vereins, Maccabi Tel Aviv, in Athen z.B. einen Mann, weil er eine palästinensiche Flagge trug. Nichts an all dem steht sinnbildlich fürs Jüdischsein. Warum werden Hooligans in diesem anderen Kontext darauf reduziert? Selbst wenn man in eskalierter Weise von „Jagd“ sprechen möchte, war das eine auf israelische Fans, nicht auf Juden. Juden und gewaltbereite Hooligans gleichzusetzen, ist wieder eine Kriminalisierung von Juden.
Es geht nicht um Provokation
Nein, auch der Hass faschistischer Israelis rechtfertigt keinen Pogrom gegen Juden. Nichts würde überhaupt einen Pogrom rechtfertigen. Wenn es denn gerade einen gegeben hätte. Sollte auch nur in einem Fall jemand angegriffen worden sein, bloß weil er jüdisch ist, dann könnte man von einem antijüdischen Angriff sprechen. Und das auch nur in dem expliziten Fall. Dann wäre keine Solidarität zu viel.
Ausschreitungen durch Hooligans geschehen in Europa jedes Wochenende massenweise. Das ist immer hässlich. Haben israelische Hooligans irgendeine Sonderstellung? Ist es nicht möglich, die beidseitige Gewalt abzulehnen? Das sollte jeder Mensch doch schaffen.
Es muss klar sein: Hier wurde gehörig nach der Pfeife der israelischen Regierung getanzt. Das ist eine glatte Desinformationskampagne.
Doppelmoral. Gewaltig. Gewalt ist Gewalt. Wer aber nur die Gewalt gegen israelische Fans verurteilt und kein Wort über die Gewalt durch israelische Fans äußert, hat kein Statement gegen Gewalt verfasst, sondern eines für Gewalt nur einer auserwählten Seite. Wer nicht verurteilen kann, dass zur Vernichtung von Arabern, gemeint Palästinensern, aufgerufen wird – während parallel ein Genozid an Palästinensern geschieht – ist nicht gegen Gewalt, sondern für eine Hierarchie der Gewalt. Wer all das nicht tut, ist nicht glaubwürdig.
Es gab – wie gesagt – keinen Hinweis auf eine organisierte antijüdische Motivation. Hunderte israelische Hooligans skandierten aber gemeinsam „Araber beenden“. Das ist tatsächlich der einzige mir bekannte Hinweis auf irgendetwas, das in Richtung Pogrom in diesem Kontext gehen könnte. Aber natürlich war auch das kein Pogrom. Wer Pogrome sehen will, muss in diesen Tagen nur in das illegal besetzte Westjordanland gucken. Dort begehen zionistische Siedler mit Unterstützung israelischer Besatzungstruppen laut der israelischen Menschenrechtsorganisation BtSelem regelmäßig Pogrome gegen Palästinenser.“
Das klingt in meinen Ohren sehr viel plausibler, als das, was mir die ARD-Tagesschau weismachen will. Die „Geisteshaltung“, die Tarek Baè mit Bezug auf Amsterdam beschreibt, beobachtet „Middle East Eye“ auch bei „Bewertungen“, die israelische Soldaten bei Google über die von ihnen zerstörten Orte im Libanon hinterlassen. Ein kleiner Auszug: “ „Keine Moschee, nur Trümmer und ein versperrter Tunneleingang. Bin umsonst hingegangen. Nicht zu empfehlen“, schreibt Gabi Weisskopf über die Ahel-al-Quran-Moschee nahe der Stadt Yarine. In einer weiteren Rezension, die von Elad Biton gepostet wurde, wurde damit geprahlt, angeblich das öffentliche Krankenhaus von Mays al-Jabal niedergebrannt zu haben. „Einfach enttäuschend. Es hieß, es würde morgens öffnen, wir kamen an und es war geschlossen! Frechheit!“, sagte Biton. „Wirklich schlechter Service. Es gibt keine guten Bedingungen zum Übernachten. Aber abgesehen davon gab es (viel) [Feuer].“[…]“
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Meinereiner erspart sich jeden Kommentar dazu und verweist lediglich auf jene „alternativen Medien“, die hier stramm auf Mainstream-Linie sind, als da wären „Jouwatch“, „Ansage“, „Reitschuster“, „NIUS“, „Achtung Reichelt!“ usw.usf.. Die würden ihre Leser niemals propagandistisch für ihre eigene Agenda vereinnahmen, weil die ja wiederum keinesfalls von einer völlig undifferenzierten Ablehnung des Islam getragen wäre. Wenn das nicht gelogen war, dann: Ehrlich! Diese „alternativen Medien“ sind ja auch gar nicht nur zuständig für den Islam in Deutschland, sondern gleich für den der ganzen Welt, islamische Länder inklusive. Am „wertewestlichen“ Wesen möge die Welt genesen. Worauf man fröhlich einen lassen darf. Neutrale und objektive Berichterstattung? Nur bei Springer, Reichelt, Broder und Konsorten. Ja-haa!



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