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Deutschland: Die Schreckensherrschaft von Meinerlein & Finderlein

Deutschland im November 2024. Der zeitgeistige Deutsche meint, dieses sei gut, und er findet, jenes sei schlecht. Er meint & findet. Gott bewahre, daß er sich die Mühe macht, zu begründen, weshalb er jeweils meint & findet, was er eben meint & findet. Womöglich müsste er noch zu langatmigen Erklärungen ausholen oder Zeit mit schriftlichen Erklärungen verschwenden. Das aber bärge die Gefahr, daß er Widerspruch bekommt von Leuten, die sich in der Materie besser auskennen, als er selbst. Das darf keinesfalls passieren. Ist das immer so? – Natürlich nicht. Ausnahmen bestätigen dennoch die Regel.

Die Peinlichkeit: „Deine Meinung zählt“

In Wahrheit zählt „deine Meinung“ gar nichts. Sie wird höchstens gezählt. Bei Umfragen und Wahlen zum Beispiel. Aktuell steht zu befürchten, daß die gezählte Meinung zu einer Kanzlerschaft von Friedrich Merz führen könnte. Wenn das der Fall werden sollte, kann man sich an drei Fingern abzählen, was Meinerlein & Finderlein gemeint und gefunden haben müssen, als sie ihr Kreuzchen bei der CDU gemacht haben. „Es wird höchste Zeit für einen Wechsel“, könnte zum Beispiel gemeint und gefunden worden sein. Alter Schwede, wäre das peinlich!

Mehrheit sticht Wahrheit

In den sozialen Medien ist wichtig, wieviele „Likes“ man für sein Gemeine & Gefinde bekommt. Für Fernsehsender ist wichtig, wie die Einschaltquote war und ob die bis zum Ende der Sendung gehalten werden konnte oder nicht. Für kommerzielle Publikationen ist wichtig, wie hoch die Auflage ist. Die „demokratische Mehrheit“ ist ein Fetisch von Anthropozentrikern. Es geht ums Ego, weniger ums Thema. Bei Facebook zum Beispiel klicken Millionen von Nutzern täglich auf den „Gefällt mir“-Button. Wegen des enorm wichtigen Informationsgehalts von „Gefällt mir“. Das sind übrigens dieselben Leute, auf welche die Produktwerbung abzielt. Welchen grundlegenden Einsichten ins Wesen des westlichen Meinerleins & Finderleins eine erfolgreiche Werbekampagne geschuldet ist, – will sagen -, wie exakt Werbepsychologen mit den Reaktionen der Umworbenen kalkulieren, läßt sich gut übertragen in die Gestaltung von Medien- und Wahlkampagnen. Eine erfolgreiche Medienkampagne zielt nicht auf Wahrheit, sondern auf Mehrheit. Unter diesem Gesichtspunkt extrem gut gelungen war wohl „dem ollen Adolf sein Kampf“. Die Auflage betrug im Jahr 1944 fast elf Millionen.

Beweise

Der Deutschlandfunk kam vor vier Jahren mit einem Artikel heraus, der sich der „Gewalt in der Bibel“ widmete. Auszüge: „Gott ist der Hass – „Füllt seine Höfe mit Erschlagenen!“,“Ich will euch in den Ofen tun“, „Wohl dem, der deine Kinder am Felsen zerschmettert“ – Das Buch Ezechiel ist voll mit göttlichen Rachegedanken und Vernichtungsfantasien. Um das zu deuten, braucht man nicht nur Theologen, sondern auch Traumaexperten.“ – Holla! Und weiter geht’s: „Euer Auge soll kein Mitleid zeigen, gewährt keine Schonung! Alt und jung, Mädchen, Kinder und Frauen sollt ihr erschlagen und umbringen. Beginnt in meinem Heiligtum! Macht den Tempel unrein, füllt seine Höfe mit Erschlagenen!“ – Jessers, wenn das mal keine „Hassrede“ ist? Die reinste Christenvolksverhetzung. Höchste Zeit für den hundsgemeinerweise als „Schwachkopf Professional“ verunglimpften Robert Habeck, wegen Volksverhetzung Anzeige gegen den Papst zu stellen und die KPI Schweinfurt in Rom anrücken zu lassen um kurz nach sechs in der Früh. Der Papst soll sich gefälligst vor einem Bamberger Gericht verantworten, weil: Alle Menschen sind gleich.

Aber warum schreibe ich das? Weil es in den sozialen Medien merkwürdige Memes gibt, die – nicht wirklich erstaunlich – viele „Likes“ bekommen. Eines davon, das ich heute gesehen habe, zeigt zwei Mädchen, die lesenderweise auf dem Boden sitzen. Das eine hält die Bibel in der Hand, das andere den Koran. Die beiden Leseratten tun erstaunt: „In meinem Buch steht, daß wir unsere Nächsten lieben sollen.“ „Seltsam. In meinem Buch steht, daß wir die Ungläubigen töten sollen.“ Die Botschaft ist klar: Bibel gut, Koran böse. Anzahl der „Likes“: Hoch. Meinerlein & Finderlein hatten also wieder per Mausklick mitgeteilt, was ihnen gefällt. Democracy at it’s best.

Hier ein anderes Meme: „Auf der falschen Seite der Geschichte stehen … erneut.“

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„Mao & Hamas“ – Screenshot Facebook

Genausogut hätte der Facebook-Nutzer auch ein anderes Meme posten können. Bild 1: 1933 – Zionistenfreund Henryk M. Broder: „Wenn ihr euch fragt, wie es damals so weit kommen konnte: Weil sie damals so gewesen sind wie ihr heute seid“. Bild 2: 2024 – Dr. Hajo Meyer, Auschwitz-Überlebender (1924-2014): „Nennt die Zionisten was sie sind: Nazikriminelle“

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Dr. Hajo Meyer (1924-2024) – Screenshot Facebook

Jede Wette, daß Meinerlein & Finderlein auch hierzu wieder eine „gleichberechtigte Meinung“ haben. Wegen der demokratischen Toleranz. Und das, obwohl sich Dr. Meyer lange vor dem „sippten Oktoper“ geäußert hatte.

Oder das hier: Daniel Barenboim, Dirigent, Pianist und Friedensaktivist feierte gestern, am 15.November,  seinen 82. Geburtstag. „Klassik Radio“ gratulierte ihm bei Facebook. Auch dazu gab es etwas zu meinen & zu finden. Daniel Barenboim ist für seine Kritik (nicht nur) an der gegenwärtigen israelischen Regierung bekannt. Barenboim hat angeblich die spanische, argentinische, israelische und palästinensische Staatsangehörigkeit. Damit wäre Barenboim der einzige Mensch auf der Welt, der gleichzeitig israelischer und palästinensischer Staatsbürger ist.

Bei Facebook fand es eine Frau Doppelname – ich nenne sie hier „Frau Meinerlein-Finderlein“ – passend, an Barenboims Geburtstag in einem Kommentar zu schreiben: „Leider ist er Israelhasser“. Wahrscheinlich hätte es sie zerrissen, wenn sie im Vollbesitz ihrer „gleichberechtigten Meinung“ einfach ihre ignoranten Tippfinger hätte stillhalten müssen. Daniel Barenboim hat lange genug in Israel gelebt, um für sich beanspruchen zu dürfen, eine fundiertere, weil besser ausdifferenzierte Ansicht zum Gegenstand seiner Kritik entwickelt zu haben, als eine deutsche Frau Meinerlein-Finderlein bei Facebook. Ein Gedanke, der Frau Meinerlein-Finderlein nicht gekommen sein kann.

Es wäre ja schon der Gedanke an den Segensreichtum der Demokratie von einer Vielzahl an Parametern abhängig, die erst einmal erfüllt sein müssten, um demokratischen Segensreichtum überhaupt in Betracht zu ziehen. In Deutschland ist das aber unüblich. Hierzulande wird vielmehr und zu allem Überfluß auch noch die Medien- & Massendemokratie samt ihrem korrupten Parteienstaat mit „Demokratie“ übersetzt. Da muß man sich nicht wundern, daß Meinerlein & Finderlein es für sinnvoll halten, einen Olaf Scholz durch einen Friedrich Merz zu ersetzen. Im Grunde würden sie aber Olrich Schmerz nur durch Olrich Schmerz ersetzen.

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„Der Boandlkramer“ – Screenshot „threads“

Tim Kellner meint: „Deutschland immer zuerst“. Da frage ich mich, was er mit „zuerst“ meint: Zuerst den Hopfen verlieren und danach erst das Malz – oder umgekehrt?

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